The Pulse of Techno & Techno Worlds


Die Zürcher Technokultur ist Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes! Diese «letzte Jugendbewegung», wie die Technokultur genannt wird, ist längst im Mainstream und in der breiten Gesellschaft angekommen.

Als globales Phänomen hat Techno nicht nur die Musikgeschichte geprägt, sondern auch Impulse gesetzt, die in die Gegenwartskultur, in Kunst, Popkultur, Medienkonsum und Technologien hineinwirken. In den Spannungsfeldern von Underground und Mainstream, Politik und Kommerz, Raum und Zeit nimmt die Ausstellung des Goethe Instituts „Techno Worlds“ lokale und globale Perspektiven des Techno auf und wagt das Experiment, einige wichtige Phänomene des Techno und der Clubkultur in ihren unendlichen Facetten von Werken bildender Künstler:innen erzählen und darstellen zu lassen. Über 20 internationale Künstler:innen wurden für Techno Worlds ausgewählt und lassen in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Kunst, Musik, Film, Mode und Technologie verschwimmen.

Mit der Eigenproduktion „The Pulse of Techno“ schafft die Photobastei gleichzeitig eine Gruppenausstellung, die sich um die Kernausstellung „Techno Worlds“ ansiedelt und diese mit einem Fokus auf Zürich und auf durch Techno geschaffene Räume ergänzt.

In der Zwinglistadt ist Techno in den 90er Jahren regelrecht durchgestartet. Zunächst hat das mit den gleichen Faktoren zu tun, die dem Techno auf der ganzen Welt zum Durchbruch verholfen haben: erschwinglichere Synthesizer und andere elektronische Geräte, eine leidenschaftliche, neugierige Jugend, neue Drogen und die faszinierenden, wummernden Bässe aus Detroit. Was in Zürich als Verstärker hinzukam, waren die provokante Street Parade, die 1992 erstmals durchgeführt wurde, die Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes 1996 sowie die Abschaffung des Tanzverbots an Feiertagen vier Jahre danach. All diesen Themen und Aspekten geht die Ausstellung nach.

Das Begleitprogramm nimmt die in den Ausstellungen gesetzten Themen auf und bringt sie auf die Bühne. Die Geschichte des Techno ist ohne den Detroit Techno nicht zu erzählen. Also spielen Underground Resistance mit Depth Charge am 20. Januar in der Photobastei.

Für die Anfänge in Europa und ihre Verbindung zum Punk stehen Marco Repetto und Thomas Fehlmann. Letzterer ist in der Ausstellung mit einer poetischen Lichtmaschine vertreten, die er und sein damaliger Musikpartner, Max Loderbauer, anfangs der 90er Jahre selber gebaut und gebastelt haben.

Zusammen mit der Schweizer Pionierin Manon sowie Eli Verveine und Manuel Fischer bestreitet Fehlmann am 14. Januer die erste Partynacht.

Mit Gabriel Le Mar und Youth stehen zwei weitere Urgesteine des Techno am 27.1. hinter den Desks, wie auch das Label Katermukke aus Berlin (24.2.) rund um Dirty Doering.

Der legendäre Club Aera (17.2.) erlebt ein Revival wie auch das Rohstofflager (9.3.), welche mit Kittin einen Star präsentiert, die damals im eigenen Haus entdeckt worden ist.

Les Belles de Nuit, das Zürcher Frauenkollektiv, feiert mit einem ganzen Festival im Festival ihr 10-jähriges Bestehen (14. – 17.3.) und die jungen Labels Amphitheater (2.3.) und Haggarrave (23.3) weisen schliesslich in die Zukunft.

Damit sind allerdings erst die Samstag-Parties oberflächlich beschrieben! Am Sonntagabend von 19.00 Uhr bis 23.00 Uhr lässt die Photobastei das legendäre „Studio B“ wieder auferleben! 2001 lockte die Partyreihe jeden ersten und dritten Sonntag im Monat in den Supermarket Club. Musikalisch war das Studio B zwischen Tech-House, minimalem Techno und Technopop zu Hause. Die Auswahl der DJs und Live-Acts erfolgte nach Lust und Laune und so war das Programm bunt gemischt. Für das Studio B reloaded hat die Photobastei die Beatpirates gewinnen können. Sie kuratieren das Programm und werden auch sicher selbst mal hinter den Decks stehen.

Neben den Parties bietet das Begleitprogramm auch viele Konzerte, so mit Ex-Kraftwerk und Musik-Soldat Wolfgang Flür (2.2.), Max Loderbauer und Nicolas Stocker (12.1.), Alphageneric, Annie Aries und Perpetual Bridge (9.2.), Saalschutz (1.3.), Rizzoknor (8.3.), Angelo Repetto (28.3) und anderen.

Gespräche und Paneldiskussionen, einige in Zusammenarbeit mit der Bar & Clubkommission Zürich ergänzen die Performancekünste. In der Oral-History-Reihe «Zürich Calling» wird versucht, in Gesprächsrunden mit wichtigen Protagonist:innen die lokale Technogeschichte nachzuzeichnen.

Die Besucher:innen sollen ein Gefühl für den Zeitgeist einer Epoche bekommen. Sie sollen erfahren, wie Ideen entstanden sind, was gut lief und was scheiterte – und weshalb. Welcher Sound, welche DJs und welche Locations relevant waren – und wieso. Was in der jeweiligen Dekade hip und in und was gähn und out war.

Durchgeführt werden die alle zwei Wochen am Mittwochabend stattfindenden Talks von Arnold Meyer (Technopapst) und Thomas Wyss (Autor der «Tages-Anzeiger»-Serie «Legendäre Zürcher Discos»). In jeder Runde partizipieren drei bis vier prägende Figuren und Protagonist:innen der Zürcher Technoszene.

Schliesslich bietet das Begleitprogramm auch viele Workshops: Denn die Geschichte einer Jugendbewegung ist immer auch eine Geschichte der Selbstermächtigung und Aneignung! Wären nicht günstige elektronische Geräte auf den Markt gelangt, das Roland TR8 sei hier erwähnt, wäre die Entwicklung einer neuen Musik und neuen Identität in der Black Community in Detroit, Chicago und New York nicht möglich gewesen. Die Photobastei zeigt einige dieser Geräte in der Ausstellung „The Pulse Of Techno“.

Zugleich ruft sie die Besucher:innen am Ende der Ausstellung auf, ihren eigenen Beat zu generieren. Dazu steht ein ganzer Tisch mit Geräten bereit. Und für jene, die weiter üben oder ihre Fertigkeiten vertiefen wollen, werden zusammen mit der ZHDK und dem smem, Schweizerisches Museum für elektronische Musikinstrumente, Workshops auf allen Levels angeboten. Auf dass diese Jugendbewegung nie zur Ruhe kommt!

Öffnungszeiten:
Mittwoch & Sonntag von 12:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag, Freitag & Samstag von 12:00 – 21:00 Uhr

Datum, Zeit
11. Januar 2024
bis 31. März 2024
jeweils 12:00–21:00 Uhr

Veranstaltungsort
Photobastei 2.0, Sihlquai 125
8005 Zürich

Ticketpreise ab:
CHF 15.00 / 10.00, Kulturlegi: CHF 5.00